Anziehhilfe für Kompressionsstrümpfe: welche passt zu Dir?
Anziehgestell, Gleitsocke oder Handschuhe? Der Vergleich der Anziehhilfen für Kompressionsstrümpfe — nach dem, woran es bei Dir konkret scheitert.

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Es gibt einen Punkt, an dem viele aufhören, ihre Kompressionsstrümpfe konsequent zu tragen. Er liegt fast nie bei der Einsicht und fast immer beim Anziehen: Wenn jeder Morgen mit fünf Minuten Ringen beginnt, findet sich irgendwann ein Grund, es heute ausfallen zu lassen.
Dafür gibt es Hilfsmittel. Sie sind unspektakulär, kosten überschaubar viel und lösen das Problem oft vollständig. Die Kunst besteht darin, das richtige auszuwählen — und das hängt davon ab, woran es bei Dir konkret scheitert.
Auf einen Blick
- Erst die Hürde bestimmen, dann das Hilfsmittel. Bücken, Handkraft und Gleitfähigkeit sind drei verschiedene Probleme mit drei verschiedenen Lösungen.
- Gummihandschuhe sind der günstigste Einstieg und lösen erstaunlich viele Fälle allein.
- Anziehgestelle helfen beim Bücken, brauchen aber Platz und einen festen Standort.
- Gleitsocken funktionieren nur bei offener Spitze.
- Ans Ausziehen denken. Für viele ist der Abend die größere Hürde als der Morgen.
Zuerst: Woran scheitert es?
Wenn Du die Technik selbst noch einmal durchgehen willst: Kompressionsstrümpfe anziehen — die Anleitung.
Bevor Du irgendetwas kaufst, beobachte einmal bewusst einen Morgen lang, an welcher Stelle es hakt. Fast alle Schwierigkeiten lassen sich einer von drei Ursachen zuordnen.
Du kommst nicht gut an den Fuß. Eingeschränkte Beweglichkeit in Hüfte, Knie oder Rücken, ein größerer Bauchumfang, Schwindel beim Vornüberbeugen. Die Bewegung selbst ist das Problem, nicht der Strumpf.
Die Hände machen nicht mit. Wenig Griffkraft, Arthrose in den Fingern, das Gestrick rutscht durch die Finger. Du kämest an den Fuß, aber Du bekommst keinen Zug auf das Material.
Das Material gleitet nicht. Der Strumpf bleibt an Ferse oder Spann hängen. Häufig bei festeren Gestricken und bei trockener oder feuchter Haut.
Diese drei Fälle brauchen unterschiedliche Hilfsmittel. Wer das falsche kauft, hält Anziehhilfen für nutzlos — dabei war nur die Zuordnung falsch.
Der Vergleich
| Hilfsmittel | Hilft bei | Vorteile | Grenzen |
|---|---|---|---|
| Gummi- oder Noppenhandschuhe | Handkraft, Grip | Sehr günstig, sofort einsetzbar, schützt das Gestrick | Löst kein Beweglichkeitsproblem |
| Anziehgestell | Bücken, Beweglichkeit | Kein Vorbeugen nötig, stabil, oft allein nutzbar | Braucht Platz, meist ortsgebunden, höherer Preis |
| Gleitsocke / Fußgleiter | Gleiten über Fuß und Ferse | Sehr leicht, günstig, reisetauglich | Nur bei offener Spitze |
| Flexible Anziehhilfe aus Stoff | Gleiten, unterwegs | Faltbar, leicht, günstig | Weniger Halt als ein Gestell |
| Ausziehhilfe (Stab mit Haken) | Ausziehen | Löst die abendliche Hürde | Nur fürs Ausziehen |
Handschuhe: fast immer der richtige erste Schritt
Wenn Du nur eine Sache ausprobierst, dann diese. Handschuhe mit Noppen oder einfache Haushaltsgummihandschuhe geben Grip auf dem glatten Gestrick, verteilen den Zug über die ganze Handfläche und schützen den Strumpf vor Fingernägeln.
Sie kosten wenig, sind sofort verfügbar und lösen mehr Fälle, als man erwartet. Auch wer später ein Gestell nutzt, wird die Handschuhe weiter brauchen.
Anziehgestelle: wenn Bücken das Problem ist
Die Bauformen im Detail, mit Kaufkriterien: Strumpfanzieher.
Der Strumpf wird über einen Rahmen gespannt, Du stellst den Fuß hinein und ziehst den Rahmen nach oben. Das Vorbeugen zum Fuß entfällt vollständig.
Das ist die Lösung für eingeschränkte Beweglichkeit — nach einer Hüft- oder Knieoperation, bei Rückenproblemen, in der Schwangerschaft oder wenn Vornüberbeugen Schwindel auslöst.
Was Du wissen solltest: Gestelle brauchen einen festen Platz und eine stabile Sitzgelegenheit davor. Sie sind nichts für die Reise. Und das Aufspannen des Strumpfes auf den Rahmen will selbst geübt sein — die ersten Male dauern länger als ohne.
Gleitsocken und Fußgleiter: nur bei offener Spitze
Ein dünnes, sehr glattes Stück Stoff wird über den Fuß gezogen. Der Strumpf gleitet darüber, statt an der Ferse hängen zu bleiben. Anschließend wird die Gleitsocke durch die offene Spitze wieder herausgezogen.
Deshalb funktioniert das nur bei Strümpfen mit offener Spitze. Bei geschlossener Spitze bekommst Du die Gleitsocke nicht mehr heraus. Schau also zuerst an Deinem Strumpf nach, bevor Du eine kaufst.
Dafür sind Gleitsocken leicht, günstig und passen in jede Tasche — die praktischste Lösung für unterwegs.
Ausziehhilfen: die unterschätzte Kategorie
Über das Anziehen wird viel gesprochen, über das Ausziehen fast nie. Dabei ist der Abend für viele die größere Hürde: Man ist müder, die Beine sind wärmer, und der Strumpf sitzt nach einem ganzen Tag fester.
Ausziehhilfen sind meist ein langer Stab mit einem Haken oder einer Kante, mit dem der Bund nach unten geschoben wird, ohne dass Du Dich bücken musst. Wenn Du morgens gut zurechtkommst und abends nicht, ist das Dein Hilfsmittel — die Technik dazu steht unter Kompressionsstrümpfe ausziehen.
Woher bekomme ich eine Anziehhilfe?
Anziehhilfen bekommst Du im Sanitätshaus, in Apotheken und im Fachhandel. Lass sie Dir zeigen und probier sie dort mit Deinem eigenen Strumpf aus — das erspart Fehlkäufe, denn wie gut ein Gestell funktioniert, hängt auch von Deinem Gestrick ab.
Ob und in welchen Fällen eine Anziehhilfe von der Krankenkasse übernommen wird, klärst Du am besten direkt mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt und Deiner Kasse. Die Regelungen unterscheiden sich je nach Situation, und pauschal lässt sich das nicht beantworten.
Wenn das Anziehen plötzlich leichter wird
Ein Hinweis, der oft übersehen wird: Wenn sich ein Strumpf, den Du seit Monaten trägst, auf einmal deutlich leichter anziehen lässt, ist das meist kein Fortschritt in der Technik.
Kompressionsgestricke verlieren mit der Zeit an Elastizität. Genau deshalb sind Versorgungen üblicherweise auf etwa ein halbes Jahr ausgelegt. Ein Strumpf, der nachgelassen hat, sitzt bequemer — und tut weniger von dem, wofür Du ihn trägst.
Zwei Paare im Wechsel zu tragen und beide schonend zu waschen verlängert die Lebensdauer beider spürbar. Wenn Deine Versorgung älter als ein halbes Jahr ist, lohnt der Blick darauf, ob ein neues Paar ansteht.
Häufige Fragen
Welche Anziehhilfe ist die beste? Es gibt keine beste — es gibt die passende. Handschuhe bei Problemen mit der Handkraft, ein Gestell beim Bücken, eine Gleitsocke beim Gleiten. Bestimme zuerst die Hürde.
Kann ich eine Gleitsocke bei geschlossener Spitze verwenden? Nein. Du bekämst sie nicht mehr heraus. Für geschlossene Spitzen kommen Handschuhe oder ein Gestell infrage.
Lohnt sich ein Anziehgestell, wenn ich viel unterwegs bin? Meist nicht als einziges Hilfsmittel. Gestelle sind ortsgebunden. Für unterwegs sind flexible Stoffhilfen oder Gleitsocken praktischer — viele nutzen beides.
Brauche ich zusätzlich noch Handschuhe, wenn ich ein Gestell habe? In der Regel ja. Das Aufspannen des Strumpfes auf den Rahmen und das Ausstreichen der Falten am Ende gehen mit Handschuhen deutlich leichter.
Was hilft, wenn ich mich gar nicht bücken kann? Ein Anziehgestell in Kombination mit einer Ausziehhilfe für den Abend. Lass Dir beides im Sanitätshaus zeigen.
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