Strumpfanzieher: was er kann, für wen er sich lohnt
Strumpfanzieher im Überblick: Bügel, Gestell oder Schlaufe? Wie die Geräte funktionieren, für wen sie gedacht sind und worauf Du beim Kauf achtest.

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Ein Strumpfanzieher ist im Kern eine simple Idee: Der Strumpf wird nicht über das Bein gezogen, sondern vorher auf ein Gestell gespannt. Du steigst hinein und ziehst das Gestell nach oben. Das Vorbeugen zum Fuß entfällt komplett.
Für alle, denen genau dieses Vorbeugen schwerfällt, ist das der Unterschied zwischen „geht irgendwie" und „geht jeden Morgen".
Auf einen Blick
- Ein Strumpfanzieher löst genau ein Problem: das Bücken. Bei fehlender Handkraft hilft er nur bedingt.
- Es gibt drei Bauformen — Standgestell, Bügel und weiche Schlaufe — mit deutlich unterschiedlichen Einsatzbereichen.
- Der Boden entscheidet mit. Auf Teppich rutschen viele Gestelle, auf Fliesen brauchen sie Gummifüße.
- Das Aufspannen will geübt sein. Die ersten Versuche dauern länger als ohne Gerät. Das ist normal.
- Ans Ausziehen denken. Ein Strumpfanzieher hilft abends nicht.
Für wen sich das lohnt
Ein Strumpfanzieher ist gedacht für Menschen, die den Fuß nicht mehr bequem erreichen. Die typischen Gründe:
- eingeschränkte Beweglichkeit in Hüfte, Knie oder Rücken
- die Zeit nach einer Hüft- oder Knieoperation, in der Beugen ohnehin vermieden werden soll
- ein größerer Bauchumfang oder eine fortgeschrittene Schwangerschaft
- Schwindel beim Vornüberbeugen
- Schulterprobleme, die das lange Vorbeugen unangenehm machen
Wenn Du dagegen gut an den Fuß kommst und das Problem eher darin besteht, dass das Gestrick durch die Finger rutscht, ist ein Strumpfanzieher nicht das richtige Gerät. Dann sind Noppenhandschuhe die deutlich günstigere und wirksamere Antwort — welches Hilfsmittel zu welcher Hürde passt, steht im Vergleich der Anziehhilfen.
Diese Unterscheidung ist der häufigste Grund, warum jemand ein Gerät kauft und enttäuscht ist: Es war das falsche Werkzeug für die eigene Hürde.
Die drei Bauformen
Standgestell
Ein stabiler Rahmen, der auf dem Boden steht. Der Strumpf wird über den Rahmen gespannt, Du setzt Dich davor, führst den Fuß von oben ein und ziehst den Rahmen an zwei Griffen oder Bändern nach oben.
Stärken: die stabilste Variante, meist ohne fremde Hilfe nutzbar, gut für den täglichen Gebrauch am selben Ort. Grenzen: braucht Platz, ist nichts für die Reise, und Du brauchst eine feste Sitzgelegenheit davor.
Bügel
Zwei gebogene Schienen mit Griffen, über die der Strumpf gespannt wird. Leichter und kleiner als ein Standgestell, dafür weniger stabil.
Stärken: kompakter, günstiger, lässt sich verstauen. Grenzen: verlangt mehr Handkraft und mehr Koordination, weil Du den Bügel während des Einführens halten musst.
Weiche Schlaufe aus Stoff
Ein Stück glattes, festes Gewebe mit zwei Bändern. Der Strumpf wird darüber gezogen, der Fuß eingeführt, dann ziehst Du an den Bändern.
Stärken: sehr leicht, faltbar, reisetauglich, günstig. Grenzen: deutlich weniger Halt als ein Gestell. Für stärkere Beweglichkeitseinschränkungen meist zu wenig.
So wird er benutzt
1. Vorbereiten. Stell das Gerät auf rutschfesten Boden. Setz Dich auf einen stabilen Stuhl mit fester Sitzfläche davor — kein Sofa, keine weiche Bettkante, weil Du sonst beim Ziehen nach hinten wegrutschst.
2. Aufspannen. Zieh den Strumpf so über die Bügel oder den Rahmen, dass der Fersenbereich unten sitzt und die Öffnung weit gespannt ist. Arbeite hier mit Handschuhen — das Aufspannen ist der Teil, der Handkraft verlangt.
3. Fuß einführen. Führ den Fuß von oben in die gespannte Öffnung, bis die Zehen am Fußteil ankommen.
4. Nach oben ziehen. Zieh den Rahmen an beiden Griffen gleichmäßig nach oben. Nicht ruckartig und nicht einseitig. Der Strumpf streift dabei vom Gestell ab und legt sich um das Bein.
5. Kontrollieren. Prüf, ob die Ferse richtig in der Fersenkappe sitzt, und streich Falten mit flachen Händen von unten nach oben aus. Dieser letzte Schritt entfällt gern und ist trotzdem wichtig — die vollständige Technik steht unter Kompressionsstrümpfe anziehen.
Worauf Du beim Kauf achtest
Standfestigkeit. Gummierte Füße, ausreichend breite Basis. Auf Teppich verhalten sich Gestelle anders als auf Fliesen — probier es auf dem Boden aus, auf dem Du es täglich benutzen wirst.
Griffhöhe und Griffform. Die Griffe müssen so hoch reichen, dass Du im Sitzen aufrecht ziehen kannst. Wer wenig Handkraft hat, kommt mit breiten Schlaufen oft besser zurecht als mit schmalen Bügeln.
Passung zum Strumpf. Feste Gestricke lassen sich schwerer aufspannen als feine. Ein Gerät, das mit einem dünnen Strumpf gut funktioniert, kann bei einem kräftigeren an seine Grenzen kommen.
Reinigung. Ein Gerät, das täglich mit der Haut in Kontakt kommt, sollte sich abwischen lassen.
Und der wichtigste Punkt: vorher ausprobieren. Lass Dir den Strumpfanzieher im Sanitätshaus zeigen und probier ihn dort mit Deinem eigenen Strumpf aus. Wie gut ein Gerät funktioniert, hängt von Deinem Gestrick, Deiner Beweglichkeit und Deiner Handkraft ab — das lässt sich in keiner Produktbeschreibung nachlesen.
Ob eine Anziehhilfe in Deinem Fall von der Krankenkasse übernommen wird, besprichst Du am besten direkt mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt und Deiner Kasse.
Wenn es auch mit Gerät schwer bleibt
Ein Strumpfanzieher nimmt Dir das Bücken ab. Er ändert nichts daran, wie fest ein Strumpf sitzt.
Wenn das Anziehen auch morgens, mit Handschuhen und mit Gerät ein Kampf bleibt, lohnt der Blick auf die Passform. Ein Strumpf soll fest sitzen und sich trotzdem anziehen lassen. Umfänge verändern sich über die Zeit, und ein neu gemessener Strumpf löst manches, woran kein Hilfsmittel etwas ändert.
Dasselbe gilt umgekehrt: Wenn ein Strumpf, der monatelang stramm saß, plötzlich mühelos hochgeht, hat das Gestrick vermutlich nachgelassen. Kompressionsversorgungen sind üblicherweise auf etwa ein halbes Jahr ausgelegt — danach steht ein neues Paar an.
Häufige Fragen
Strumpfanzieher oder Handschuhe — was zuerst? Handschuhe. Sie sind günstiger, sofort verfügbar und lösen viele Fälle allein. Ein Gestell lohnt sich, wenn das Bücken das Problem ist.
Funktioniert ein Strumpfanzieher auch bei Strumpfhosen? Bei Kniestrümpfen und Schenkelstrümpfen ja. Für Strumpfhosen gibt es eigene Modelle — ein normales Gestell reicht dafür meist nicht.
Wie lange dauert das Anziehen mit Gerät? Nach ein bis zwei Wochen Übung meist ein bis zwei Minuten pro Bein. Die ersten Versuche dauern deutlich länger, weil das Aufspannen ungewohnt ist.
Brauche ich Hilfe von jemand anderem? Standgestelle sind so gebaut, dass sie allein funktionieren. Bügel und Schlaufen verlangen mehr Koordination.
Hilft ein Strumpfanzieher auch beim Ausziehen? Nein. Dafür gibt es eigene Ausziehhilfen, meist ein Stab mit Haken. Für viele ist der Abend die größere Hürde als der Morgen.
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