Kompressionsstrümpfe richtig anziehen: die 7 häufigsten Fehler
Warum sich der Strumpf so schwer anziehen lässt, rutscht oder drückt — die sieben typischen Fehler beim Anziehen und wie Du sie abstellst.

Auf dieser Seite
- Auf einen Blick
- Fehler 1: Zu spät am Tag anziehen
- Fehler 2: Am Bund ziehen statt abzurollen
- Fehler 3: Die Ferse nicht kontrollieren
- Fehler 4: Ohne Handschuhe arbeiten
- Fehler 5: Auf feuchter oder eingecremter Haut anziehen
- Fehler 6: Falten stehen lassen
- Fehler 7: Bei Problemen einfach weitermachen
- Die 10-Sekunden-Kontrolle
- Wann Du nicht selbst weiterprobieren solltest
- Häufige Fragen
Die meisten Schwierigkeiten mit Kompressionsstrümpfen sind keine Materialfrage, sondern eine Frage der Handhabung. Sieben Fehler tauchen dabei immer wieder auf — und alle sieben lassen sich abstellen.
Auf einen Blick
- Der häufigste Fehler ist der Zeitpunkt, nicht die Technik.
- Am Bund ziehen überdehnt genau das Gestrick, das später Halt geben soll.
- Eine falsch sitzende Ferse lässt sich durch Nachziehen nicht retten.
- Falten sind kein Schönheitsfehler — sie drücken punktuell.
- Wenn nichts hilft, ist es oft die Passform, nicht die Technik.
Fehler 1: Zu spät am Tag anziehen
Über den Tag lagert sich Flüssigkeit im Gewebe ein. Der Beinumfang nimmt zu, oft messbar. Ein Strumpf, der um sieben Uhr morgens gut sitzt, lässt sich um achtzehn Uhr deutlich schwerer über dieselbe Wade ziehen.
Abstellen: direkt nach dem Aufstehen anziehen, noch im Sitzen, bevor Du länger auf den Beinen bist. Das ist die wirksamste einzelne Änderung in dieser Liste.
Fehler 2: Am Bund ziehen statt abzurollen
Es ist die naheliegende Bewegung — und die falsche. Wer den Strumpf am oberen Rand hochzieht, überdehnt genau die Stelle, die später den Halt geben soll. Das Ergebnis zeigt sich Stunden später: Der Strumpf rutscht.
Abstellen: Strumpf bis zur Ferse umstülpen, Fuß setzen, dann mit beiden Handflächen von unten nach oben abrollen. Das Gestrick wird nachgeschoben, nicht gezogen. Die vollständige Technik: Kompressionsstrümpfe anziehen.
Fehler 3: Die Ferse nicht kontrollieren
Sitzt die Ferse nicht exakt in der Fersenkappe, verdreht sich der Strumpf beim Hochrollen. Das Gestrick liegt dann schief, die Zonen sitzen an der falschen Stelle, und der Sitz wird nie richtig.
Abstellen: Bevor Du weiterrollst, kurz prüfen — Ferse mittig, Naht gerade. Wenn nicht: noch einmal ausziehen und neu ansetzen. Das kostet zwanzig Sekunden und spart den ganzen Tag.
Fehler 4: Ohne Handschuhe arbeiten
Bloße Finger greifen auf glattem Gestrick schlecht, verteilen den Zug punktuell und hinterlassen mit den Nägeln feine Laufmaschen.
Abstellen: Gummi- oder Noppenhandschuhe. Das günstigste Hilfsmittel überhaupt und das mit dem größten unmittelbaren Effekt. Auch Ringe abnehmen und Nägel kurz halten.
Fehler 5: Auf feuchter oder eingecremter Haut anziehen
Nach dem Duschen bleibt Restfeuchtigkeit auf der Haut, und jedes Gestrick bleibt daran hängen. Fettige Cremes machen es doppelt schwer: Sie erhöhen die Reibung und wandern ins Material, wo sie die elastischen Fasern angreifen.
Abstellen: Haut vollständig trocknen lassen. Pflegecreme abends nach dem Ausziehen auftragen, nicht morgens davor.
Fehler 6: Falten stehen lassen
Eine Falte im Gestrick ist keine Kosmetik. An dieser Stelle liegt das Material doppelt und drückt punktuell — meist am Knöchel, in der Kniekehle oder über dem Spann. Das ist unangenehm, und was unangenehm ist, wird abends abgelegt und morgens nicht mehr angezogen.
Abstellen: zum Schluss mit flachen Händen von unten nach oben ausstreichen. Nicht zupfen, streichen.
Fehler 7: Bei Problemen einfach weitermachen
Der stillste Fehler. Wenn das Anziehen dauerhaft ein Kampf bleibt, ist die Antwort selten „mehr Kraft" und selten „mehr Übung".
Abstellen: Zwei Möglichkeiten prüfen. Entweder braucht die Bewegung ein Hilfsmittel — ein Anziehgestell, wenn Bücken das Problem ist, Handschuhe, wenn es die Handkraft ist. Welches wozu passt: Vergleich der Anziehhilfen. Oder die Passform stimmt nicht mehr. Umfänge verändern sich; ein neu gemessener Strumpf löst manches, woran Technik nichts ändert.
Die 10-Sekunden-Kontrolle
Wenn der Strumpf sitzt, prüf einmal kurz durch:
- Ferse mittig in der Fersenkappe, Naht gerade?
- Falten ausgestrichen, besonders Knöchel und Kniekehle?
- Bund liegt flach an, schneidet nicht ein, rollt sich nicht ein?
- Zehen und Spann entspannt, keine Kante spürbar?
Vier Fragen, zehn Sekunden. Damit fängst Du fast alles ab, was den Tag über stört.
Wann Du nicht selbst weiterprobieren solltest
Wenn Du Druckstellen, Hautveränderungen, offene Stellen, Taubheitsgefühle, Kribbeln oder Schmerzen bemerkst, ist das kein Handhabungsthema. Lass das bitte ärztlich abklären, statt es mit Technik zu lösen.
Dasselbe gilt, wenn der Strumpf trotz korrekten Sitzes an einer Stelle deutlich stärker drückt als überall sonst.
Häufige Fragen
Woran merke ich, dass der Strumpf zu locker geworden ist? Er lässt sich plötzlich viel leichter anziehen als früher, und er rutscht im Lauf des Tages, obwohl Du sauber abgerollt hast. Kompressionsgestricke sind üblicherweise auf etwa ein halbes Jahr ausgelegt.
Der Strumpf rollt sich am oberen Rand ein. Was tun? Meist wurde am Bund gezogen. Streich den Rand flach aus. Wenn es täglich passiert, kann der Umfang nicht mehr passen — siehe rutschende Strümpfe.
Muss der Strumpf drücken? Er soll fest und gleichmäßig anliegen. Punktuelles Drücken an einer Stelle ist dagegen ein Hinweis auf eine Falte oder auf eine Passform, die nicht mehr stimmt.
Wie lange dauert das Anziehen normalerweise? Mit etwas Übung ein bis zwei Minuten pro Bein. In den ersten Wochen deutlich länger — das ist normal.
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