Habe ich Lipödem? Selbsttest in 5 Minuten: die 7 Anzeichen, die Du selbst erkennst
Habe ich Lipödem? Der 5-Minuten-Selbsttest mit 7 Anzeichen, Stemmer-Zeichen und Arzt-Triage. Erkenne typische Symptome und bereite Dein Arztgespräch strukturiert vor.
Medizinisch geprüft von LEVANA Medizin-Team · Fachärztlicher Beirat

Auf dieser Seite
- Auf einen Blick
- Was ist Lipödem, kurz erklärt
- Die 7 typischen Anzeichen für Lipödem
- Der 5-Minuten-Selbsttest
- Lipödem oder „nur" Übergewicht? Der wichtigste Unterschied auf einen Blick
- Stemmer-Zeichen: ein einfacher Selbsttest
- Wann zum Arzt? Triage in drei Stufen
- Welcher Arzt, und was passiert in der Sprechstunde?
- Wie wird Lipödem behandelt?
- FAQ
- Quellen
- Dein nächster Schritt
- Haftungsausschluss
Wenn das Fettgewebe an Deinen Beinen oder Armen diffus schmerzt oder wie von innen drückt und Diäten zwar am Bauch wirken, die Beine aber im Verhältnis kräftig bleiben, dann bist Du nicht allein, und es ist mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht Deine Schuld. Lipödem ist eine Fettverteilungsstörung, die Frauen betrifft (Männer sind nicht betroffen) und deren Ursachen bis heute nicht abschließend geklärt sind. Die Diagnose ist selbst für Fachleute anspruchsvoll. Dieser Selbsttest hilft Dir, in 5 Minuten eine erste Einschätzung zu bekommen und zu entscheiden, ob ein Termin bei einer auf Lipödem spezialisierten Praxis der nächste sinnvolle Schritt ist.
Auf einen Blick
- Lipödem ist keine Fettleibigkeit, sondern eine eigenständige, schmerzhafte Fettverteilungsstörung. Es ist weder eine Ödemkrankheit noch eine lymphologische Erkrankung.
- Typisch: symmetrische Zunahme des Unterhautfetts an Beinen (oft auch an Armen), schlanke Füße und Hände, ausgeprägte Druckempfindlichkeit.
- Mit Kaloriendefizit und Kraftsport gehen auch an Beinen und Armen die Umfänge zurück, aber weniger stark und weniger disproportional, als viele es sich erhoffen. Die typische Disproportion bleibt.
- Eine Adipositas begleitet rund 80 % der Betroffenen als Komorbidität. Wird sie behandelt, lassen die Beschwerden meist nach. Bewegung in Kompression, vor allem intensives Krafttraining, reduziert die Schmerzen und ist einer der sechs Therapieansätze beim Lipödem.
- Lipödem ist chronisch, aber nicht fortschreitend. Die „Stadien“ beschreiben nur das äußere Erscheinungsbild (aus Studien), nicht einen zwangsläufigen Verlauf.
- Wenn mehrere der 7 Anzeichen und mindestens 3 der 5 Selbsttest-Fragen zutreffen, sprich mit einer Spezialistin oder einem Spezialisten bzw. einer auf Lipödem spezialisierten Praxis.
- Dieser Selbsttest ist kein Ersatz für eine ärztliche Diagnose, er hilft Dir aber, ein Gespräch beim Arzt strukturiert vorzubereiten.
Was ist Lipödem, kurz erklärt
Ein Lipödem ist eine chronische Fettverteilungsstörung. Das Unterhautfett nimmt symmetrisch an Hüften, Oberschenkeln, Unterschenkeln und nicht selten auch an den Armen zu, die Fettzellen werden dabei vor allem größer und voller, nicht zwangsläufig mehr. Begleitet wird das Ganze von Druck- und Berührungsempfindlichkeit und einem Spannungsgefühl. Die Genetik ist kein zentraler Faktor; vermutet wird aber eine Veranlagung. Die hormonellen Umbruchphasen, Pubertät, Schwangerschaft, Wechseljahre, sind nicht der Auslöser des Lipödem-Schmerzes. In diesen Phasen der physiologischen Zunahme des Fettgewebes bei Frauen treten aber häufig die ersten Schmerzen auf, oft begleitet von eingeschränkter Körperselbstakzeptanz und psychischen Problemen.
Mit einem Kaloriendefizit und gezieltem Kraftsport gehen auch an Beinen und Armen die Umfänge zurück, allerdings nicht so stark und nicht so disproportional, wie viele es sich erhoffen; die typische Disproportion zwischen Rumpf und Beinen bzw. Armen bleibt bestehen. Entscheidend ist etwas anderes: Eine Adipositas begleitet rund 80 % der Betroffenen, und wird sie behandelt, lassen die Beschwerden meist nach. Vor allem Bewegung in Kompression, insbesondere intensives Krafttraining, kann die Schmerzen reduzieren. Bewegung und eine gesunde Ernährung sind deshalb wichtig: Sie tun Deiner Gesundheit gut, helfen gegen ein begleitendes Übergewicht und lindern Beschwerden. Für viele Betroffene bleibt es trotzdem eine schwere Erfahrung, viel zu tun und an den Beinen dennoch nur wenig Veränderung der Form zu sehen.
Wichtig zur Einordnung: Das Lipödem ist nicht fortschreitend. Die bekannten „Stadien“ beschreiben nur das äußere Erscheinungsbild, sie stammen aus Studien, und stehen nicht für einen zwangsläufigen Verlauf. Lipödem ist außerdem weder eine Ödemkrankheit noch eine lymphologische Erkrankung; trotz des Namens steckt dahinter kein Ödem im eigentlichen Sinne. Anders verhält es sich mit einer begleitenden Adipositas: Sie kann eine chronische Veneninsuffizienz (CVI) und ab einem Body-Mass-Index von 40 ein adipositasbedingtes Lymphödem verursachen. Schon deshalb sollte ein Übergewicht möglichst vermieden oder behandelt werden. Wenn sich das Bild verschlechtert, liegt das in der Regel an einer hinzukommenden Gewichtszunahme, nicht an einem Eigenverlauf des Lipödems.
Die Diagnose ist schwierig, und sie wird in beide Richtungen oft falsch gestellt. Fachleute berichten, dass sich der Verdacht selbst in spezialisierten Praxen nur bei etwa einer von fünf Frauen bestätigt. Das führt dazu, dass einerseits Frauen behandelt werden, die gar kein Lipödem haben, und andererseits Frauen vorschnell als „nur übergewichtig“ abgestempelt werden und keine schmerzlindernde Behandlung wie Kompression oder psychotherapeutische Unterstützung erhalten. Umso wichtiger ist eine sorgfältige Abklärung bei erfahrenen Spezialist:innen.
Die 7 typischen Anzeichen für Lipödem
Je mehr dieser Anzeichen auf Dich zutreffen, desto wahrscheinlicher ist ein Lipödem. Die Tabelle hilft Dir auch zu verstehen, was ein bestimmtes Anzeichen nicht zwangsläufig bedeutet.
| Nr. | Anzeichen | Lipödem-typisch | Was es nicht automatisch bedeutet |
|---|---|---|---|
| 1 | Symmetrische Zunahme an beiden Beinen (selten einseitig) | Ja, sehr typisch | Eine einseitige Schwellung deutet eher auf Thrombose oder Lymphödem hin |
| 2 | Schlanke Füße & Hände trotz voluminöser Beine/Arme, „Stiefelhosen-Form" | Hochcharakteristisch | Bei Adipositas oder Lymphödem sind Füße meist mitbetroffen |
| 3 | Druck- und Berührungsempfindlichkeit an Beinen/Armen | Sehr typisch | Allgemeine Müdigkeit der Beine ≠ Lipödem |
| 4 | Beine/Arme schlanken im Verhältnis kaum ab, der Bauch dagegen schon | Sehr typisch | Bei reiner Adipositas reduziert sich Gewicht generalisiert |
| 5 | Spannungsgefühl, besonders abends oder bei Wärme | Häufig | Tritt auch bei chronischer Veneninsuffizienz und Adipositas auf |
| 6 | Sichtbare „Reithosen", Dellen, knotige Strukturen am Oberschenkel | Typisch in Stadium 2+ | Cellulite allein ist kein Lipödem |
| 7 | Beginn in Pubertät, Schwangerschaft oder Wechseljahren | Klassisches Muster | Plötzliches Auftreten ohne hormonellen Trigger ist eher untypisch |
Diese Tabelle ersetzt keine Diagnose. Sie hilft Dir, Symptome zu sortieren, mehr nicht. Die AWMF S2k-Leitlinie 037-012 ist die offizielle medizinische Grundlage für die Lipödem-Diagnostik in Deutschland.
Der 5-Minuten-Selbsttest
Beantworte jede Frage mit Ja oder Nein. Notiere Deine Antworten, Du brauchst sie am Ende.
Frage 1: Bleiben Deine Beine trotz Diät und Sport unverhältnismäßig kräftig?
Hast Du in den letzten 12 Monaten ernsthaft abgenommen (≥ 5 kg), aber Deine Bein-Form, der Beinumfang oder die Druckempfindlichkeit hat sich deutlich weniger verändert, während Bauch, Gesicht oder Brust sichtbar dünner geworden sind?
So beurteilst Du das verlässlich: Verlass Dich nicht nur auf Waage und BMI. Verfolge Dein Gewicht als gleitenden Durchschnitt über mehrere Wochen und miss zusätzlich alle Körpermaße, Arme, Beine, Schultern, Brust sowie Taille und Bauch an drei Stellen. Unter einem milden Kaloriendefizit mit intensivem Krafttraining und wenig Kardio verändern sich diese Maße oft, während die Waage allein wenig zeigt.
Wenn ja: Das ist eines der stärksten Indizien für Lipödem. Bei reiner Adipositas reduziert sich Fett relativ gleichmäßig am ganzen Körper.
Frage 2: Tun Dir die Beine bei Druck weh?
Drücke mit dem Daumen mittelfest in den Oberschenkel oder Innenseite des Knies. Ist das schmerzhaft, nicht nur unangenehm, sondern echt schmerzhaft?
Wenn ja: Druck- und Berührungsempfindlichkeit gehören zu den diagnostischen Hauptkriterien laut AWMF-Leitlinie 037-012.
Frage 3: Endet die Schwellung am Knöchel, und sind die Füße schlank?
Schau Dir Deine Beine im Stehen im Spiegel an. Gibt es einen sichtbaren „Abbruch" oberhalb des Knöchels, als hättest Du Stiefel an? Sind Deine Füße im Verhältnis zu den Unterschenkeln auffallend schmal?
Wenn ja: Dieses „Stiefelhosen"-Muster ist eines der visuell eindeutigsten Lipödem-Zeichen. Bei Lymphödem oder Adipositas sind Knöchel und Füße in der Regel mitbetroffen. Entscheidend ist aber der Schmerz: Ohne Schmerzen bzw. Druckempfindlichkeit ist es kein Lipödem, sondern eine Lipohypertrophie, die gleiche Fettverteilung, aber ohne Beschwerden.
Frage 4: Sind Deine Beine symmetrisch betroffen?
Sind beide Beine in Form, Volumen und Empfindlichkeit etwa gleich? Wenn ein Bein deutlich dicker geschwollen ist als das andere, besonders plötzlich, gilt das als Warnsignal in eine andere Richtung.
Wenn ja (symmetrisch): Passt zum Lipödem-Muster, aber auch zu einer Adipositas; Symmetrie allein ist also kein Beweis. Sie spricht vor allem gegen einseitige Ursachen wie Thrombose oder Lymphödem.
Wenn nein (einseitig): Bitte zeitnah ärztlich abklären. Eine plötzliche einseitige Beinschwellung kann auf eine tiefe Venenthrombose hinweisen, ein medizinischer Notfall.
Frage 5: Begann es in einer hormonellen Umstellungsphase?
Erinnerst Du Dich, wann die Veränderung an den Beinen erstmals auffiel? War das während oder kurz nach Pubertät, Schwangerschaft oder Wechseljahren?
Wenn ja: Das passt zum klassischen Muster: Die ersten Beschwerden treten häufig in hormonellen Umbruchphasen auf. Eine genetische Veranlagung wird vermutet, ist aber nicht gesichert.
Deine Auswertung
- 0 bis 1 Ja: Lipödem ist eher unwahrscheinlich. Andere Ursachen wie chronische Veneninsuffizienz, Übergewicht oder Wechseljahres-Symptome prüfen.
- 2 Ja: Möglich, aber nicht eindeutig. Entscheidend ist der Schmerz: Sind die Beine dauerhaft druck- und berührungsempfindlich? Ohne Schmerz ist ein Lipödem unwahrscheinlich, bestehen Schmerzen, kläre es bei einer Spezialistin oder einem Spezialisten ab.
- 3 Ja: Verdacht. Vereinbare einen Termin bei einer Spezialistin oder einem Spezialisten, idealerweise jemand, der sich 30 bis 40 Minuten Zeit für Anamnese, Untersuchung und Beratung nimmt. Ein kurzer Blick von wenigen Minuten mit gleich anschließender OP-Empfehlung ist kein guter Ansatz. Nimm Deine Antworten aus diesem Test mit.
- 4 bis 5 Ja: Starker Verdacht. Vereinbare zeitnah einen Termin bei einer auf Lipödem spezialisierten Praxis (Phlebologie, Lymphologie oder Lipödem-Zentrum).
Lipödem oder „nur" Übergewicht? Der wichtigste Unterschied auf einen Blick
| Merkmal | Lipödem | Adipositas |
|---|---|---|
| Geschlecht | Nur Frauen (Männer nicht betroffen) | Männer und Frauen |
| Verteilung | Symmetrisch, Beine/Arme | Generalisiert, oft bauchbetont |
| Füße betroffen | Nein, schlank | Ja, gleichmäßig |
| Druckempfindlichkeit des Fettgewebes | Ja, deutlich | Nein |
| Reaktion auf Diät | Umfänge nehmen ab, Disproportion bleibt | Ja, generalisiert |
| Schmerz im Ruhezustand | Häufig (vor allem abends) | Selten |
| Beginn | Pubertät, Schwangerschaft, Wechseljahre | Schleichend, oft lebenslang |
Stemmer-Zeichen: ein einfacher Selbsttest
Das Stemmer-Zeichen ist ein klinischer Hinweis, mit dem Ärzt:innen ein Lymphödem von anderen Ursachen abgrenzen. Du kannst es zu Hause selbst durchführen.
So geht es Schritt für Schritt:
- Setz Dich auf einen Stuhl mit gestreckten Beinen, Schuhe und Socken aus.
- Greife mit Daumen und Zeigefinger die Haut auf dem zweiten Zeh (an der Basis, oberhalb des Zehennagels).
- Versuche, die Hautfalte anzuheben, ähnlich wie Du Haut am Handrücken hochziehen würdest.
Bewerte:
- Hautfalte lässt sich gut anheben → Stemmer-Zeichen negativ. Spricht gegen ein Lymphödem und ist beim reinen Lipödem der typische Befund.
- Hautfalte lässt sich nicht oder kaum anheben (verdickt, prall) → Stemmer-Zeichen positiv. Hinweis auf ein Lymphödem.
Interpretation in Kombination mit dem Selbsttest:
- Stemmer negativ + 3 oder mehr Ja-Antworten oben → starker Verdacht auf Lipödem.
- Stemmer positiv → unbedingt ärztlich abklären, ob (zusätzlich) ein Lymphödem vorliegt. Lipödem und Lymphödem können kombiniert auftreten (Lipödem und/oder Lymphödem).
Wichtig: Ein negatives Stemmer-Zeichen schließt ein Lymphödem nicht sicher aus. Die Zehen sind vor allem beim primären (aufsteigenden) Lymphödem betroffen; viele heutige Lymphödeme, etwa nach Lymphknotenentfernung, nach Verletzungen oder bei Adipositas, verlaufen absteigend und sparen die Zehen oft aus.
Wann zum Arzt? Triage in drei Stufen
🔴 Rot, sofort handeln (heute oder morgen):
- Plötzliche, schmerzhafte, einseitige Beinschwellung → Verdacht tiefe Venenthrombose, Notaufnahme oder Hausärztin sofort.
- Atemnot zusätzlich zur Beinschwellung → Notruf 112 (Lungenembolie-Verdacht).
- Akut entzündete, gerötete, heiße Hautstelle mit Fieber → ärztliche Abklärung (Verdacht Erysipel).
🟡 Gelb, zeitnah handeln (innerhalb 2 bis 4 Wochen):
- 3 oder mehr Ja-Antworten im Selbsttest + Stemmer-Zeichen negativ → Termin beim Spezialisten.
- Zunehmende Druckempfindlichkeit und überproportional wachsende Beinumfänge, entscheidend ist die Disproportion: Die Beine nehmen deutlich stärker zu als der übrige Körper (Bauch, Oberkörper) → ärztliche Abklärung in den nächsten Wochen.
- Stemmer-Zeichen positiv → Lymphologie-Sprechstunde oder Phlebologie.
🟢 Grün, beobachten und vorbereiten:
- 0 bis 2 Ja, Stemmer negativ und keine Schmerzen → kein Lipödem. Ohne Schmerzen liegt definitionsgemäß kein Lipödem vor, der Schmerz ist das entscheidende Kriterium. Achte trotzdem regelmäßig auf die Gesundheit Deiner Venen und behalte Veränderungen im Blick.
Welcher Arzt, und was passiert in der Sprechstunde?
Die richtige Anlaufstelle ist eine phlebologische, lymphologische oder spezialisierte Lipödem-Praxis. Der Hausarzt kann Dich überweisen, hat aber selten die nötige Erfahrung, um die Diagnose selbst zu stellen. Wichtig ist, eine Spezialistin oder einen Spezialisten zu wählen, die sich ausreichend Zeit nimmt, für eine gründliche Anamnese, Untersuchung und Beratung solltest Du etwa 30 bis 40 Minuten einplanen. Ein kurzer Blick von wenigen Minuten und gleich eine OP-Empfehlung ist kein seriöses Vorgehen. In Deutschland gibt es Lipödem-Zentren, frag bei der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie und Lymphologie oder beim Bundesverband Lipödem nach einer Liste in Deiner Region.
In der Sprechstunde erwartet Dich:
- Ausführliche Anamnese: hormonelle Geschichte, Familie, Verlauf der Beschwerden. Eine sorgfältige Diagnose braucht Zeit, ein guter Arzt nimmt sich diese und prüft auch Alternativen, statt einen Verdacht einfach zu bestätigen.
- Körperliche Untersuchung: Inspektion im Stehen, Tastbefund (Druckempfindlichkeit, Konsistenz), Stemmer-Zeichen.
- Bei Bedarf Ultraschall der Beinvenen, um eine venöse Ursache wie eine chronische Veneninsuffizienz abzugrenzen.
- Therapieplan, abgestimmt auf Deinen Befund (siehe nächster Abschnitt).
Tipp: Nimm die ausgefüllten 5 Fragen, das Ergebnis des Stemmer-Tests und, wenn möglich, Fotos Deiner Beine über mehrere Monate mit. Das gibt dem Arzt eine gute Grundlage für die Anamnese. Die Diagnose selbst bleibt die sorgfältige Aufgabe der Ärztin oder des Arztes, Deine Vorbereitung ersetzt sie nicht, macht das Gespräch aber gehaltvoller.
Wie wird Lipödem behandelt?
Die Behandlung ruht auf mehreren Säulen, die sich ergänzen:
- Kompression, das zentrale Element.
- Bewegung in Kompression, Aktivität mit angelegter Kompressionsversorgung; vor allem intensives Krafttraining kann die Schmerzen reduzieren.
- Behandlung einer begleitenden Adipositas, eine Adipositas begleitet rund 80 % der Betroffenen; wird sie behandelt, lassen die Beschwerden meist nach. Auch für eine mögliche OP-Indikation ist sie relevant.
- Psychotherapeutische Begleitung, Lipödem belastet viele Betroffene auch seelisch.
- Selbstmanagement, Wissen über die Erkrankung, Alltagsroutinen, kontinuierliche Versorgung.
- Liposuktion, operative Option mit weiterhin umstrittener Indikation, vor allem mit Blick auf die Schmerzlinderung.
Wichtig und ehrlich eingeordnet: Schmerzen lassen sich vor allem durch Kompression und Bewegung in Kompression lindern. Andere Maßnahmen zielen auf andere Aspekte (Psyche, Gewicht, Selbstmanagement) und sollten nicht als Schmerztherapie missverstanden werden.
Die manuelle Lymphdrainage (MLD) hat hier nur noch eine Rolle als Ausnahmebehandlung zur Verbesserung der Lebensqualität. Einen Effekt auf den Lipödem-Schmerz hat sie nicht, das Lipödem ist eben weder eine Ödemkrankheit noch eine lymphologische Erkrankung.
FAQ
Kann Lipödem von alleine weggehen?
Nein. Lipödem ist eine chronische Erkrankung und verschwindet nicht von selbst. Es ist aber auch nicht so, dass es zwangsläufig in immer höhere Stadien voranschreitet, wenn sich das Bild verschlechtert, liegt das meist an einer hinzukommenden Gewichtszunahme. Kompression und Bewegung in Kompression können die Beschwerden, insbesondere Schmerzen, lindern.
Ist Lipödem heilbar?
Nicht im Sinne von „weg, kommt nie wieder". Schmerzen lassen sich durch Kompression und Bewegung in Kompression lindern. Eine Liposuktion (Fettabsaugung der betroffenen Areale) kann bei klarer Indikation und korrekter Diagnose die Beschwerden verbessern, belastbar bewiesen ist das allerdings nicht. Die Studienlage ist dünn (im Wesentlichen die LIPLEG-Studie, die kritisch zu bewerten ist). Triff eine OP-Entscheidung deshalb nur nach gründlicher Beratung durch erfahrene, spezialisierte Ärzt:innen.
Wie lange dauert die Diagnose?
Eine pauschale Dauer lässt sich nicht seriös angeben. Wichtiger ist: Die Diagnose ist anspruchsvoll und sollte sorgfältig gestellt werden. Ein gut vorbereiteter Erst-Termin bei einer Spezialistin oder einem Spezialisten hilft, schneller Klarheit zu bekommen.
Lipödem nur an Beinen, oder auch an den Armen?
Bei einem erheblichen Teil der Betroffenen sind auch die Arme betroffen, ebenfalls symmetrisch und mit Übergang am Handgelenk (die Hände bleiben schlank). Wenn Du das bei Dir bemerkst, ist es ein zusätzliches Indiz.
Kann Sport Lipödem verschlimmern?
Bewegung in normaler Intensität verschlimmert ein Lipödem nicht. Die Grundregel lautet: Was wehtut, lässt Du weg. Stark belastende Sportarten mit Stoßbelastung (z. B. Eishockey) sind in der Regel nicht geeignet. Gelenk- und venenschonende Bewegungsformen wie Schwimmen, Aqua-Jogging, Radfahren oder gezielte Venengymnastik tun den Beinen meist gut. Für die Behandlung eines begleitenden Übergewichts ist reines Ausdauertraining (Kardio) weniger entscheidend, hier ist gezielter Kraftsport in der Regel wirksamer. Idealerweise findest Du das passende Programm gemeinsam mit Deinem Arzt oder hier bei LEVANA.
Was kostet die Diagnose, und was zahlt die Krankenkasse?
Diagnostische Termine bei einer kassenärztlich zugelassenen Spezialistin oder einem Spezialisten werden von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen. Die Kompressionsversorgung wird in der Regel ebenfalls verordnet und erstattet. Zur Liposuktion hat sich die Rechtslage geändert: Seit dem 1. Januar 2026 ist die Liposuktion bei Lipödem auf Basis eines Beschlusses des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) grundsätzlich eine Regelleistung der gesetzlichen Krankenkassen, und zwar stadienübergreifend (Stadium I bis III), nicht mehr nur im schweren Stadium III. Die Kostenübernahme ist weiterhin an strenge Bedingungen geknüpft, u. a. eine mindestens sechsmonatige, dokumentierte konservative Therapie ohne ausreichende Besserung sowie Grenzwerte beim Body-Mass-Index. Ein separater Antrag bei Klinik oder operierendem Arzt ist nicht mehr nötig; die Kriterien werden ärztlich geprüft. Sprich vor jeder OP-Entscheidung mit Deiner Krankenkasse und mehreren spezialisierten Ärzt:innen.
Quellen
- AWMF S2k-Leitlinie 037-012: Lipödem, offizielle deutsche Leitlinie zur Diagnostik und Therapie.
- AWMF S2k-Leitlinie 058-001: Diagnostik und Therapie des Lymphödems.
- Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA): Beschluss zur Liposuktion bei Lipödem.
- Deutsche Gesellschaft für Phlebologie und Lymphologie (DGPL).
- Bundesverband Lipödem e. V., Patient:innenorganisation und Verzeichnis spezialisierter Praxen.
Dein nächster Schritt
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Haftungsausschluss
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Der hier vorgestellte Selbsttest ist kein medizinischer Diagnose-Test. Bei gesundheitlichen Fragen oder Verdacht auf Lipödem konsultiere bitte einen Arzt oder qualifizierten Gesundheitsdienstleister. LEVANA übernimmt keine Haftung für Schäden, die durch die Anwendung der in diesem Artikel bereitgestellten Informationen entstehen könnten.
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